Museum im Bahnhof

Wir sind einer der ganz wenigen Eisenbahnvereine mit einem richtigen Bahnhof. Dieser ehemalige Bahnhof "Weißenstein" dient nicht nur als Vereinsheim, sondern ist zugleich Heimat unseres "Museums im Bahnhof", ja er ist selbst das größte und wichtigste Museumsexponat. Darin wird die Geschichte dieses Bahnhofs an der Nagoldbahn, aber auch exemplarisch die Geschichte der Eisenbahn im gesamten Pforzheimer Raum von der Zeit der "Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahn" bis heute dargestellt.

Das Museum ist jeden ersten Sonntag im Monat geöffnet

Weitere Informationen und Veranstaltungstermine finden Sie unter: Aktuelle Veranstaltungen.

Einges zur Geschichte

Der Bahnhof liegt an der württembergischen Nagoldbahn von Horb ins badische Pforzheim. In Staatsverträgen zwischen Württemberg und Baden wurde 1868 diese Streckenführung "gnädigst und wohlwollend" genehmigt. Der erste Streckenteil Calw - Nagold wurde 1872, die restlichen Abschnitte Nagold - Horb und Calw - Pforzheim wurden am 1. Juni 1874 in Betrieb genommen. Wir gehen davon aus, dass dazu der zweistöckige Hauptbau, in dem sich die Betriebseinrichtungen befanden, auch fertig war. So hat unser Bahnhof etwas ganz Besonderes: Es ist ein württembergischer Bahnhof, errichtet nach Plänen und im Auftrag der K.W.ST.E (Königlich Württembergische Staats-Eisenbahn) auf badischem Grund.

Nachdem 1980 der letzte Zug am Bahnhof gehalten hatte und das Gebäude 1982 durch einen Brand schwer beschädigt worden war, entschlossen wir Eisenbahnfreunde uns am 16. Juni 1988, die leer stehende Ruine von der damaligen Deutschen Bundesbahn zu kaufen und unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes zu unserem Vereinsheim wieder aufzubauen.

Im Jahr 2000 haben wir von der DB AG auch noch die Güterhalle erworben, die wir nun ebenfalls ausbauen. So zählen heute zu den Museumsräumen die Schalterhalle mit Bahnsteigunterführung, der Stellwerksraum, der Schalterraum, der Gepäckraum und ein Teil des Güterschuppens. Folgen sie nun einem kleinen Rundgang durch das Gebäude. Unser Museum im Bahnhof ist - wie eine Modellbahnanlage - nie fertig.

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Schalterhalle

Aus dem Jahr 1874, der Inbetriebnahme der Strecke, stammt der zweistöckige Hauptbau. Erkennbar ist das noch an den beiden Pfeilervorlagen links und rechts. 1911 - 1914 wurde die Halle um den Erkerbereich mit der Unterführung zum Mittelbahnsteig und dem Durchgang zur Güterhalle erweitert.

Die alten Beschriftungen "Kasse", "Fahrkarten", "Gepäck", "Zu den Zügen und Warteräumen" und die Farbgebung an den Wänden und Decken wurden von uns so originalgetreu wie möglich wieder hergestellt. Der Boden erhielt eine Fußbodenheizung und darauf einen neuen Plattenbelag nach altem Muster.

Die originalen Sprossenfenster sind zu Doppelfenstern aufgerüstet worden. Die Türelemente entsprechen alten vorgefundenen Mustern. Die Außentüren wurden durch einen Restaurator ausgebaut, zerlegt und mit den vorhandenen Teilen wieder neu aufgebaut. Modernen Anforderungen entsprechende Toilettenanlagen ergänzen den Hallenbereich; früher gab es auf Stationen dieser Größe nur "Freiluft-Außentoiletten".

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Stellwerksraum

Hier war einst die Eisenbahntechnik untergebracht, möglicherweise auch ein Warteraum 3. Klasse. Seit dem Umbau 1914 diente der Raum als Dienstraum des Fahrdienstleiters. 1972 wurde hier zusammen mit elektrischen Signalen und Weichen ein neues Stellwerk eingebaut. Mit Übergang der Betriebsleitung auf den Bahnhof Brötzingen 1984 wurden diese Anlagen wieder abgebaut.

Heute ist hier erneut Eisenbahntechnik eingebaut: Das Hebelstellwerk war im Bahnhof Wildberg hier an der Strecke bis 1989 in Betrieb. Mit der Automatisierung der Nagoldtalbahn wurde es überflüssig und es wäre sicher den Weg des alten Eisens gegangen, hätten wir es nicht aufgekauft und mit Hilfe des THW hierher geschafft und eingebaut.

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Schalterraum

Seit dem Umbau 1914 ist hier der Schalterraum eingerichtet. Wir zeigen typische Einrichtungen und Ausstattungsgegenstände wie z.B.: 2 Schalterplätze (Gepäckkasse / Fahrkartenschalter), 1 Fahrkartenkleindrucker, Fahrkartenschrank, Tresor, Fahrkarten und Fahrkartentechnik von ca. 1880 bis heute, Bürotisch mit mechanischer Schreibmaschine, Diensttelefon und Dienststempeln sowie typischer Beheizung. Von diesem Raum aus wurde außerdem bis 1978 die Bahnschranke ca. 800 m weiter südlich bedient. Beim Kauf 1988 waren die Seilführungen unter dem rechten Fenster noch vorhanden.

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Gepäckraum

Dieser Raum diente ursprünglich als Dienstraum oder Warteraum 3. Klasse und wurde 1914 zum Gepäckraum umgebaut. Hier sind typische Einrichtungen und Gegenstände einer Gepäckaufgabe ausgestellt: Tischwaage, Sackwaage, Tarifbücher, Speditionspult, Stempel, Gepäckkarre und natürlich Reisegepäck aus verschiedenen Zeiten. Da hier mit Geld gearbeitet wurde, sind sowohl Türen als auch Fenster - sogar zum Nachbarraum - vergittert.

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Güterschuppen

Liegt der Schwerpunkt der oben genannten Räume im Hauptgebäude auf dem Aspekt des Personenverkehrs und dem damit verbundenen Kontakt des Reisenden zur Eisenbahn, so widmet sich die Sammlung im Güterschuppen vor allem der Eisenbahntechnik, die sich mehr hinter den Kulissen abspielt, und - an diesem Ort auch naheliegend - dem Güterverkehr. Der gesamte Güterschuppen wurde 1914 bei der Bahnhofserweiterung neu aufgebaut und ist etwa doppelt so groß wie sein Vorgänger, was für das stark gestiegene Verkehrsaufkommen spricht. Im originalgetreu restaurierten Raum "Güterstelle" wurde die gesamte Verwaltung des Güterumschlags abgewickelt, dahinter lagerten im großen Hallenbereich die Güter bis zu ihrem Weitertransport. Diverse Transportkarren wie die hier ausgestellten erleichterten etwas das harte Verladegeschäft. Im hinteren Bereich werden unter dem Thema "Fahrweg" unter anderem historische Schienenstücke, Kilometersteine, Gleisbaugeräte, eine Schrankenglocke, ein Schrankenantrieb und mehrere Weichenantriebe präsentiert.

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